Demner, Merlicek & Bergmann / DMB. — Wutbürger gesucht!

Kategorie:
Creative Strategy

Auszeichnung:
Shortlist(Buch) (2021)

Auftraggeber:
Volkstheater Ges.m.b.H.

Das Volkstheater verliert zunehmend an Aufmerksamkeit.
Die schwindende Präsenz in der öffentlichen Wahrnehmung führt zu rückläufigen Besucherzahlen, die sich in einer durchschnittlichen Jahresauslastung von nur 52% niederschlagen.
Konkret konnte das Volkstheater im heißen Wettbewerb der Wiener Bühnen und Schauspielstätten in den vergangenen Saisonen nur 2,3% der 5,53 Millionen Besucher für sich gewinnen.
Mit der Premiere von Doderers „Merowinger oder Die totale Familie“ suchte das Theater nach einem Weg das Publikum wieder für sich zu begeistern, Umsätze sowie Auslastung zu steigern und erneut im öffentlichen Diskurs stattzufinden. Und das alles ohne Schaltbudget!

Die Devise: großes Theater für kleines Geld.:
Was tut man, wenn die Besucher nicht mehr ins Theater kommen?
Man bringt das Theater zu ihnen und sorgt mit einem kulturellen Insight für einen echten Hebel, Aufsehen und ordentlich (Inter)Action.
„Merowinger oder Die totale Familie“ erzählt die Geschichte von Childerich III., einem wütenden Bürger, der schnell in Rage gerät und zur Cholerie neigt.
Etwas das unserer Zielgruppe nur allzu bekannt ist und sie in ihrem Wiener Grant kultiviert hat.
Egal ob pöbelnde Taxifahrer, unfreundliche Ober oder keifende Nachbarn, Wien hat eine Vielzahl an wütenden Bürgern, die Unterstützung beim Kurieren ihrer Aggression gebrauchen können.
Um das heimische Publikum also für das Volkstheater und die Premiere zu begeistern, nutzten wir diese tiefe kulturelle Wahrheit als Identifikationsfläche und Brücke zum Theater.
Ganz Wien sollte die Chance bekommen das Stück hands-on zu erleben, anstatt es nur zu sehen und jene Aggressionstherapie zu absolvieren, die auch dem Protagonisten zu Teil wurde.

In einer Kampagne der anderen Art lud das Wiener Volkstheater die ganze Stadt zur kollektiven Wuttherapie ein.
Wir platzierten einen öffentlichen Wutraum im kulturellen Herzen Wiens, dem MuseumsQuartier, und animierten tausende Passanten dazu ihrem Grant freien Lauf zu lassen. Im Rahmen des interaktiven Events konnten Fernseher, Möbel, Geschirr und andere Objekte zertrümmert und dabei ordentlich Frust abgebaut werden.
Zusätzlich machten Kulturplakate in Form von Trittkissen, Promotoren im Boxsack-Outfit und ein Direct Mailing mit Porzellanbaseballschlägern klar: Zeit beim Volkstheater zuzuschlagen.:
Die Aktion schlug ein: tausende Wutbürger tobten sich an unseren Werbemitteln aus und interagierten mit dem Volkstheater.
Die Kampagne verbreitete sich nicht nur über Social Media, sondern wurde auch in der nationalen Berichterstattung aufgegriffen. In Summe wurden rund 7,5 Millionen Impressions und Earned Media im Wert von mehr als 250.000 Euro erzielt.
Bei einem Gesamtbudget von nur 25.000 Euro, das ausschließlich zu Produktionszwecken genutzt wurde, konnte ein herausragender medialer ROI von 1000% erzielt werden.

Und auch bei den Tickets wurde zugeschlagen: 100 % der vor Ort angebotenen Karten wurden verkauft, Auslastung und Umsätze erhöht und eine Premiere vor vollem Haus ermöglicht.

Creative Director:
Sebastian Kaufmann

Creative Director:
Christoph Hofbauer

Text:
Anna Repitsch

Art Director:
Mario Goldsteiner

Design:
Yamuna Valenta

Text:
Jennifer Vacha

Etat Director:
Oliver Weiß

Kundenberatung:
Sophie Engelhofer

Strategie:
Jacky Hamid

PR:
Nathalie Teleu